Das Minenproblem

LANDMINEN – ZAHLEN UND FAKTEN

Ein dreieckiges Schild, rot mit weißer Aufschrift und einem Totenkopf, warnt vor Landminen. Es wird von Grashalmen leicht verdeckt.

Danger Mines: Entminungsarbeiten im Libanon: Ein Schild mit der Aufschrift “Danger Mines” warnt die Menschen vor der Gefahr, die im Unterholz lauert. © Xavier Bourgois / Handicap International

Im Jahr 2012 wurden 3.628 neue Opfer von Landminen und Blindgängern registriert, wobei die Dunkelziffer hier erfahrungsgemäß hoch ist. Insgesamt kann man sagen, dass weltweit etwa alle zwei Stunden ein Opfer von Landminen und explosiven Kampfmittelrückständen zu beklagen ist. Der beständige Rückgang der jährlichen Unfallraten in Ländern, die von Anti-Personen-Minen am meisten betroffen sind, wie Afghanistan und Kambodscha, wurde durch Anstiege in Ländern mit neuen oder schärferen Konflikten, wie Libyen, Pakistan, Sudan, Süd-Sudan und Syrien, aufgehoben. Über 40% der Opfer sind Kinder.

Schätzungen zufolge gibt es insgesamt mehr als 500.000 Überlebende von Unfällen mit Landminen und Blindgängern, die auf lebenslange Hilfe angewiesen sind. Um sie langfristig zu unterstützen und die Zahl weiterer Opfer durch Räumungsarbeiten und Gefahrenaufklärung zu minimieren, brauchen die meist armen betroffenen Länder finanzielle Hilfe der besser gestellten Vertragsstaaten. Die deutsche Regierung gehört mit ca. 20 Mio. Euro jährlich zu den weltweit größten Förderern humanitärer Projekte für betroffene Länder einschließlich der Opferhilfe. Angesichts der verfügbaren Mittel und des immensen Bedarfs könnte eine weitere Erhöhung positive Signale an andere Staaten senden und noch mehr erreichen, denn jedes entminte Gelände rettet Leben.

Noch immer sind bis zu 71 Länder und Hoheitsgebiete von Landminen und Kampfmittelrückständen verseucht: davon sind 59 Staaten sowie vier Gebiete stärker betroffen und 8 weitere Staaten melden entweder eine vermutete oder restliche Kontamination. In einigen Ländern ist der Anteil der Kinder an den Minenopfern besorgniserregend hoch. Indien (72 %), Somalia (70%), Sudan (65%) und Afghanistan (61%) sind die traurigen Spitzenreiter, dicht gefolgt von Jemen (50%), Kambodscha (35%), Pakistan (32%) und Kolumbien (30%).

Seitdem die Ottawa-Konvention 1999 in Kraft getreten ist, sind jedes Jahr mehr als 1.000 Kinder diesen Waffen zum Opfer gefallen. Die Bedürfnisse von Kindern sind größer als die von Erwachsenen. Wegen ihres Wachstums müssen ihre Prothesen regelmäßig angepasst werden.

 

VERBOT VON ANTI-PERSONEN-MINEN: DER OTTAWA-VERTRAG

Die 1997 geschlossene Ottawa-Konvention verbietet Einsatz, Lagerung, Produktion und Weitergabe von Anti-Personen-Minen.

Ein Entminer bei seiner Arbeit. Er trägt eine hellblaue Uniform von Handicap International. Die Landschaft im Hintergrund ist wild bewachsen mit kleinen Büschen und Gras.

Ein Entminer in Bosnien-Herzegowina: Seine Arbeit ist mühsam, doch sie lohnt sich. Sie kann vielen Menschen das Leben retten. © P. Vermeulen / Handicap International

Entstehungsgeschichte – Auszug:

1992: Gründung der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen

1997: Ottawa, Kanada: Ottawa-Vertrag über ein Verbot von Anti-Personen-Minen

 

2004: Nairobi, Kenia: Revisionskonferenz zum Ottawa-Vertrag

2009: Cartagena, Kolumbien: Zweite Revisionskonferenz zum Ottawa-Vertrag

2014: Maputo, Mosambik: Dritte Revisionskonferenz zum Ottawa-Vertrag

Unterzeichner- und Nichtunterzeichnerstaaten

Seit 1997 sind dem Ottawa-Vertrag 161 Staaten beigetreten, von 36 Staaten fehlen jedoch noch die Unterschriften. Darunter sind auch Großmächte wie Russland, China und die USA.

Nichtunterzeichnerstaaten (Stand 02/2014):

Ägypten, Armenien, Aserbaidschan, Bahrein, Burma, China, Georgien, Indien, Iran, Israel, Kasachstan, Kirgisistan, Kuba, Laos (Demokratische Volksrepublik), Libanon, Libyen, Marokko, Mikronesien, Mongolei, Nepal, Nordkorea (Demokratische Volksrepublik), Oman, Pakistan, Palästina, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, Sri Lanka, Südkorea, Syrien, Tonga, USA, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam.

Auf dem Bild ist Boniface Kapindo, ein älterer Mann aus Uganda, zu sehen. Er trägt an beiden Beinen Prothesen. Hier sitzt er auf einem Stuhl und schaut interessiert in die Kamera. Im Hintergrund ist ein Kind zu sehen.

Eine Minenexplosion raubte Boniface Kapindo aus Uganda beide Beine und sein linkes Auge.
© Till Mayer www.tillmayer.de / Handicap International

Aktuelles: Einsatz und Produktion von Anti-Personen-Minen

2012 und 2013 wurden von Regierungstruppen in Syrien und Myanmar Anti-Personen-Minen eingesetzt. Vom Vorjahr wurde der Einsatz durch Israel, Libyen, Myanmar und auch den Vertragsstaat Jemen bekannt. Der Einsatz durch nicht-staatliche bewaffnete Gruppen wurde in sechs Ländern bestätigt – Afghanistan, Jemen, Kolumbien, Myanmar, Pakistan, Syrien, Thailand und Tunesien.

Bezüglich der Produktion von Anti-Personen-Minen lässt sich sagen, dass vermutlich nur noch vier Länder aktiv herstellen: Indien, Myanmar, Pakistan und Südkorea. Acht weitere Länder behalten sich das Recht vor, Anti-Personen-Minen zu produzieren: China, Kuba, Iran, Nordkorea, Russland, Singapur, die USA und Vietnam.

 

Links:

Ein Faktenblatt zur Landminensituation weltweit findest du hier.

Ein Faktenblatt mit den Key Findings des Landminenberichts 2013 findest du hier.

Den Text des Ottawa-Abkommens findest du hier.

Eine Auflistung der Unterzeichnerstaaten findest du hier.

Vielen Dank an alle, die die Kampagne 2014 möglich gemacht haben!       Ein großer Selbstbemalter Globus in der Mitte, drum herum Kinder die ihr Bein auf die Weltkugel halten