Das Streubombenproblem

STREUBOMBEN – ZAHLEN UND FAKTEN

Zwei Kinder in Laos spielen auf einer großen Blindgängerpatrone

Diese Kinder haben selbst zwar den Vietnamkrieg nicht miterlebt, doch Bomben und Zerstörung gehören für sie trotzdem zum Alltag. Dieser Blindgänger wir für sie zum lebensbedrohlichen Spielzeug. © T. West/ Handicap International

Die international geächteten Streubomben treffen bei jedem Einsatz unterschiedslos auch Zivilisten und hinterlassen bis zu 40% Blindgänger, die von jedem Kind aus Versehen ausgelöst werden können und sehr aufwändig und gefährlich zu räumen sind. Dadurch gefährden diese Waffen immer noch Menschen in 42 Ländern und Gebieten: davon sind 29 Staaten und Gebiete stärker betroffen und 13 weitere Staaten melden entweder eine vermutete oder restliche Kontamination.

Nur 14 der 42 verseuchten Länder und Gebiete erhielten 2012 laut dem „Cluster Munition Monitor“ finanzielle Hilfe, um die betroffenen Regionen von Blindgängern zu befreien. Dabei ist Räumung die einzige Möglichkeit, das Problem langfristig zu beheben. Von den 70,2 Millionen US-Dollar, die 2012 insgesamt für Aktivitäten gegen Streubomben in bedrohten Ländern investiert wurden, flossen nur 3,6 Millionen US-Dollar in die Unterstützung von Opfern. Länder wie Albanien, Bosnien-Herzegowina oder Libanon mussten die Opferhilfeleistungen deshalb drastisch reduzieren.

Handicap International, Solidaritätsdienst-international (SODI) und andere in der Räumung tätige Organisationen haben 2012 fast 59,171 Blindgänger aus Streubomben vernichtet. Einer der bedeutendsten Fortschritte ist die Zerstörung der staatlichen Streubombenarsenale. Seit dem In-Kraft-Treten des Oslo-Vertrags über ein Verbot von Streubomben 2010 haben die Vertragsstaaten über zwei Drittel ihrer Vorräte vernichtet – 1,03 Millionen Streubomben und 122 Millionen Submunitionen aus Streubomben. So verhindert der Vertrag wirkungsvoll künftige Einsätze dieser Waffen. Allein die USA, die das Verbot nicht unterzeichnet haben, besitzen heute noch Vorräte zwischen 800 Millionen und 1 Milliarde Submunitionen aus Streumunition.

VERBOT VON STREUBOMBEN: DER OSLO-VERTRAG

Das Übereinkommen über Streumunition aus dem Jahr 2008 verbietet ausdrücklich jede Unterstützung des Einsatzes der todbringenden Waffen.

1997 Ottawa, Kanada: Ottawa-Vertrag

2003 Gründung der internationalen Koalition gegen Streumunition CMC

2006 Libanonkrieg und erste Anläufe zum Streubombenverbot

2007 Oslo, Norwegen: erste Erfolge

2008 Oslo, Norwegen: Oslo-Vertrag

2010 Oslo-Vertrag tritt in Kraft

Die Produzenten: Ähnlich wie bei Landminen zeigen sich auch die Produzenten von Streumunition erfinderisch. In über 30 Ländern wurden bislang weit über 200 verschiedene Typen von Streumunition produziert. Zu den größten Produzenten gehören die USA, Russland und China, bis zum Oslo-Vertrag im Jahr 2008 aber auch Deutschland. Firmen wie Rheinmetall, EADS oder auch Diehl bzw. deren Tochterfirmen, waren an der Herstellung, Entwicklung und dem Export von Streumunition und Verlegesystemen beteiligt. Der Handel mit Streumunition bleibt wie auch bei anderen Waffen oft im Verborgenen.

In einer Senke häufen sich silberne und rostige Geschosse in verschiedensten Formen: eiförmig, trichter- und kanisterförmig, rund, eckig,… Pflanzen sind dabei kaum noch zu entdecken.


Müllhalde? Kriegsüberreste! Ein explosives Gemisch aus diversen Geschossen in Afghanistan, darunter auch Streubomben. © J. Rodsted/ Handicap International

Unterzeichner- und Nichtunterzeichnerstaaten

Insgesamt haben 155 Staaten am Oslo-Prozess teilgenommen, von denen wiederum 94 Staaten den Vertrag direkt bei der Konferenz unterzeichneten. Dazu kamen die Unterschriften von 17 Staaten nach dem Abkommen von Oslo. Von allen 113 Unterzeichnerstaaten haben bisher 84 den Vertrag ratifiziert.* Das bedeutet, in diesen Ländern sind die Forderungen aus dem Oslo-Abkommen in nationalen Gesetzen verankert und werden so tatsächlich wirkungsfähig.

Nichtunterzeichnerstaaten (Stand 02/2014)

5 große Produzentenstaaten wollen den Vertag nicht unterzeichnen

Zeichnung_So funktionieren Streubomben

Die Explosion einer Submunition kann tödliche Verletzungen innerhalb eines Radius bis zu 100 Metern verursachen. Beim Abwurf einer Streubombe kommt es bei 40 bis zuweilen sogar 100% der Submunitionen nicht zur Explosion. Diese sogenannten Blindgänger stellen im Alltag der Bevölkerung die gleiche Gefahr dar, wie Landminen: sie sind oft gut getarnt und explodieren bei der geringsten Berührung.

Links:

Ein Faktenblatt zur Streubombensituation weltweit findest du hier.

Die Keyfindings des Streubombenberichts findest du hier.

Eine Kurzdarstellung des Vertrags findest du hier.

Eine Auflistung der Unterzeichnerstaaten findest du hier.

Vielen Dank an alle, die die Kampagne 2014 möglich gemacht haben!       Ein großer Selbstbemalter Globus in der Mitte, drum herum Kinder die ihr Bein auf die Weltkugel halten